Chiemseefeeling                               
     bei Smiljana Stojko   bei Smbilbjbabna St


ONKEL VIKTOR

Heute will ich euch von meinem Onkel Viktor erzählen.

Viktor war der älteste Bruder meiner Mutter.

Schon als junger Bursche war er außerordentlich gutaussehend. Auf das weibliche Geschlecht

Wirkte er wie ein Magnet. Mit seinen warmen, braunen Augen, seinem pechschwarzen Haar,

einem 1.90 m großen, schlanken, muskulösen Körper war er eine wahre Augenweide von Mann.

Das Beste jedoch waren zwei Grübchen neben schöngeschwungenen Lippen. Sie gaben

Seiner Gestalt einen so jungenhaften Ausdruck, dass ihm kein Mädchen widerstehen konnte.

Er lachte gern und viel und nahm das Leben mit bemerkenswerter Leichtigkeit.Unbekümmert genoß er die  

Bewunderung des weiblichen Geschlechts.

Meine Mutter erzählte, dass es ihr auf die Nerven ging, wenn andauernd Mädchen zu zweit oder zu dritt auf ihren Fahrrädern kichernd am Haus vorbeifuhren, sich die Hälse in selbstmörderischer Absicht verrenkten ,nur mit der Hoffnung, einen Blick auf den schönen Viktor zu erspähen. Andere klingelten dreist und verlangten nach ihm.Wenn Viktor Zeit hatte, flirtete und lachte er gerne mit seinen Verehrerinnen. Auf seine eigene,

unbekümmerte Art. Gar manches Mädchen, welches sich mehr erhofft hatte, litt nach kurzem Geplänkel unter heftigem Liebeskummer.Viktor`s Ruf als unwiderstehlicher Herzensbrecher tat dies keinen Abbruch.Trotz zahlreicher gebrochener Herzen kamen die Mädchen aus der ganzen Umgebung, um ihn anzuhimmeln. Er lächelte wegen dieser schon an Heldenverehrung grenzenden Bewunderung, und verteilte seine Zuneigung weiterhin sorglos.   

Sein Herz blieb unberührt.

Viktor wurde nicht nur wegen seines guten Aussehens bewundert, nein er war zu allem Überfluss auch noch ein besonders intelligenter junger Mann.

Meine Mutter erzählte mit leuchtenden Augen, dass er ein ausgezeichneter Schüler war. Das Lernen bewältigte er ohne irgendwelche Schwierigkeiten, mit einer sensationellen Leichtigkeit,die an ein Wunder grenzte.

Meine über alle Maßen stolzen Großeltern waren sehr glücklich über seine herausragenden Erfolge auf dem Gymnasium, wo er tatsächlich als bester Schüler glänzte. Trotz ihres einfachen Standes als mittelmaßig reiche Bauernfamilie, erkannten sie seine hervorragenden Fähigkeiten.Man beschloß, dass der schöne und kluge Viktor, der durchaus nicht abgeneigt schien, in der Kreisstadt ein Studium beginnen sollte, welches ihn zu einer hundertprozentig herausragenden  

Lehrerpersönlichkeit bilden würde.Dieses Unternehmen war für die ganze Familie mit Entbehrungen verbunden. Obwohl nicht arm an Feldern, Wiesen ,Wäldern, einem großen, ergiebigen Weinbergstück, und einem

Großen Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Hühnern und einem Pferd, waren meine Großeltern nicht reich an flüssigen Geldmitteln.

Es wurde eine Ersatzfamilie in der großen Kreisstadt gesucht, bei der mein Onkel wohnen konnte. Zu diesen Leuten hatte Viktor sein Leben lang ein ausgezeichnetes Verhältnis. Besuchte sie immer wieder.

Miete und Nahrung für ihren verheißungsvollen, ältesten Sproß, bezahlten meine Großeltern

Mit Naturalien in Form von Wein, ganzen Schweinehälften, Äpfeln, Nüssen. Die fünf jüngeren Geschwister bekamen nahezu täglich zu hören,dass das alles für den tollen Viktor in die Kreisstadt gebracht wurde. Sie himmelten ihn genauso an wie die Bewohner des kleinen Dorfes.Wie erwartet war Viktor ein ausgezeichneter, vorbildhafter Student.

Natürlich beglückte er auch die großstädtische Damenwelt auf seine bewährte Weise, die ihm zahlreiche große oder kleine Affären einbrachte.

Trotz seiner Erfolge sowohl bei den Damen als auch beim Studium, stieg Viktor der Erfolg nicht zu Kopf. Meine Mutter behauptete selbstgefällig, dass er ein liebenswerter, unbekümmerter Bursche geblieben war. 

Nach ungefähr zwei Jahren, Viktor hatte gerade die Hälfte des Studiums mit Leichtigkeit

Erfolgreich hinter sich gebracht, geschah etwas Überraschendes.Eine seiner zahlreichen Eroberrungen, eine ein paar Jahre ältere Krankenschwester wurde

Von Viktor schwanger. Sie verlangte, dass er sie seiner Familie vorstellte. Natürlich erwartete sie von ihm, dass er sie heiraten sollte.

Viktor grinste mit seinen Grübchen unwiderstehlich und stellte sie meinen zuerst entsetzten Großeltern vor.Nach dem ersten Schock verziehen sie ihrem heldenhaften Sohn seine kleine, unpassende Eskapade, begrüßten die zukünftige Schwiegertochter ergeben und begannen mit den Hochzeitsvorbereitungen.

Hier machte meine Mutter eine kleine, verzagte Pause. Mit brüchiger Stimme erzählte sie mir,

wie groß der Schock war, als eines schönen Tages die Nachricht von der Ersatzfamilie kam,

dass Viktor verschwunden war.

Einfach weg. Ohne Abschiedsbrief, ohne ein Sterbenswörtchen, war er fortgegangen.

Niemand wusste wohin. Mutter schwor, niemand wusste wieso.Meine Großeltern waren außer sich vor Sorge und Angst. Und mit ihnen die schockierten

Geschwister, Verwandte, Dorfbewohner, Lehrer.

Kein Mensch konnte sich erklären, wohin der schöne und überaus kluge Viktor verschwunden war.

Seine Freundin traf es natürlich besonders hart. Im fünften Monat schwanger, blieb sie allein und verbittert zurück. Wartete ungeduldig auf ein Lebenszeichen ihres Geliebten.

Nach ungefähr drei Monaten fand die quälende Warterei schließlich ein Ende.Mein Onkel Viktor hatte eine Karte geschickt.

Viktor`s kleine, verlassene Welt, die entsetzt den Atem angehalten hatte, atmete erleichtert aus.

Alle, die Viktor gekannt hatten, wurden darüber informiert, dass es ihm gutging, dass

Er sich in der wunderbaren Adriastadt Pula befand.

Dass er sich freiwillig zur Marine gemeldet hatte.

Dass er nicht die Absicht hatte, zurückzukommen.

Der Blick meiner Mutter wurde hart, als sie stockend berichtete, wie froh alle zuerst waren. Vor allem meine  

Großeltern, die nächtelang geweint hatten, waren in den ersten Tagen nach dem Eintreffen der Karte überglücklich.

Aber dann – nach gründlichem, wiederholten Studium des letzten Lebenszeichens ihres

Vergötterten, ältesten Sohnes, begannen sie die harte Wahrheit der spärlichen Zeilen zu begreifen.

Was folgte war ein serienmäßies Zusammenbrechen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die

Skandalöse Nachricht, dass der schöne und überaus kluge Viktor – nicht perfekt war.

Menschen, die Viktor bisher in den höchsten Tönen gelobt hatten, begannen ihn plötzlich

Zu verhöhnen. Der Klatsch blühte in der kleinen Dorfwelt , Neider offenbarten sich mit hämischen Bemerkungen.Am meisten litten meine Großeltern. Ursprünglich gutmütig, verschlossen sie ihre Herzen.

Meiner Mutter lief eine kleine Träne die rechte Wange hinunter. Meine armen Großeltern verhängten verbittert harte Sanktionen. Meine überaus intelligente

Großmutter verlor plötzlich jeglichen Ehrgeiz, den sie bisher bei ihrer Kinderschar gezeigt hatte. Mein Mutter und ihre Geschwister bekamen zukünftig nur die allernötigste, schulische Unterstützung. Oft musste sich meine Mutter ein Heft und einen stummeligen Bleistift mit ihren Brüdern teilen. Dafür bekam sie Prügel vom Schullehrer, der ihr mitleidlos gern auf die ausgestreckten, kleinen Finger schlug. Natürlich wusste er wie jeder andere in der bäuerlichen, kleinen Dorfgesellschaft, welche Schande der hochbegabte, gutaussehendeViktor über seine Familie gebracht hatte. Meine Mutter berichtete wieder gefasst von seiner schwangeren Verlobten. Die Unglückselige brachte kurze Zeit nach dem Eintreffen der kaltherzigen Karte einen gesunden Jungen zur Welt. Es war eine Frühgeburt. Sie unterrichtete ihren schönen  

Geliebten davon. Viktor verweigerte zeitlebens jeglichen Kontakt zu dieser unglücklichen Frau. Sie blieb unverheiratet.Viktor bezahlte brav Alimente für seinen Sohn, der ein überaus gutaussehender und kluger, junger Mann geworden sein soll.Meine Mutter wusste, dass sich ihr Bruder Viktor nie besonders für seinen Sohn interessierte. Vielleicht, dass er ihn zwei- oder dreimal in seinem Leben gesehen hatte.            

Was erlebte nun mein Onkel Viktor in der aufregenden Stadt Pula an der kroatischen Adria?

Zunächst einmal begann er als einfacher Matrose seinen Dienst auf einem dieser riesigen Schiffe.

Als seine Vorgesetzten Viktor`s Intelligenz erkannten, bildeten sie ihn in einigen Jahren zum

Schulungsoffizier aus. So wurde aus meinem Onkel Viktor kein Dorfschullehrer auf dem Lande, wie es meine Großeltern geplant hatten. Stattdessen verwandelte er sich in einen vielgereisten, gut verdienenden, schmucken Offizier, verkündete meine Mutter mit einigem Stolz in der Stimme.Sein gewinnbringendes, männliches Aussehen und sein immer noch unbekümmerter Charme, ließen die Herzen der Damenwelt Purzelbäume schlagen.

Meine Mutter fuhr ein bisschen schadenfroh fort zu erzählen, dass Viktor`s Herz relativ unbeeindruckt blieb in dieser Zeit stürmischer, unzähliger Affären.

Bis er meine Tante Graziella traf.

Graziella war eine echte Schönheit, eine wahre Augenweide. Aus behütetem Elternhaus stammend, war sie wohl genau die Richtige, die den armen Viktor magnetisch anzog. Sie war noch unschuldig flüsterte mein alte Mutter leicht errötend. Einfach unfaßbar -

Widerstand Graziella dem berüchtigten Frauenheld Viktor.    

Das brachte den erfolgverwöhnten Offizier völlig aus dem Konzept.Er – der jede Frau haben konnte, wurde  

zurückgewiesen von einer nur 1.63 m großen, zierlichen Frau. Mit langen, seidigen, schwarzen Haaren.

Wunderschönen, braunen Augen, weicher gebräunter Haut und natürlich mit einer von Mutter Natur reich gesegneten Superfigur, verschlug es ihm zum allerersten Mal in seinem dreißigjährigen Leben die Sprache. Er vergaß zu atmen, wenn er nur an ihren italienischen Namen dachte. Richtiggehend melancholisch wurde er, der gute Viktor,berichtete meine

Gute Mutter mitfühlend.Die überaus schöne Graziella ließ ihn gehörig zappeln. So lange, bis er ihr sozusagen aus der Hand fraß.Was war nur aus dem unwiderstehlichen Viktor geworden. Eine zahme Marionette in der Hand einer kleinen, zierlichen, aber sehr temperamentvollen Halbitalienerin.

Meine Mutter schüttelte bedaunernd den Kopf.Sie durfte zusammen mit einem ihrer Brüder zur Hochzeit nach Pula reisen.Schwärmerisch verdrehte meine Mutter die Augen. Die Reise, die Hochzeit, den Aufenthalt in der pulsierenden, heißen Adriestadt Pula hatte sie wohl sehr genossen.Die Hochzeit war nichts besonderes, d Graziella aus ärmlichen Verhältnissen stammte.

Und meine verbitterten Großeltern wollten weder Geschenke schicken noch zur Hochzeit kommen. Schließlich hatte Viktor in all den Jahren nur einige, wenige Besuche in seine alte Heimat gemacht. Sein Bruch mit seiner Herkunft belastete ihn nicht im mindesten.Er vermisste niemanden. Und hatte jetzt diese feurige, zauberhafte Frau gefunden.

Meine Mutter erzählte achselzuckend, dass Braut und Bräutigam überaus glücklich zu sein schienen.Viktor und Graziella bekamen standesgemäß eine sozialistische Offizierswohnung zugewiesen. Ein Jahr nach der Hochzeit wurde meine Kusine Noella geboren.

Unglücklicherweise hatte die arme Noella das riesengroße  

Pech, ein ganz normales

Durchschnittsmädchen zu werden. Sie hatte weder die zarte Schönheit der göttlichen

Graziella noch den Charme, den Witz oder gar die Intelligenz des umwerfenden Viktors geerbt.

Ihr Gesicht zierte eine ziemlich große Nase. Aber sie war gutmütig, freundlich und immer lustig. Sehr gerne lachte sie und zeigte dabei unübersehbare Grübchen – genau wie ihr Vater.

Lange Jahre lebten Viktor und Graziella glücklich zusammen. Er hörte nie auf, ihr aus der Hand zu fressen. Er verwöhnte und vergötterte sie auf unnachahmliche Weise. Sie liebte ihn aber genauso. Sagte es mir oft mit ihrer unvergleichlich tiefen Stimme, die so gar nicht zu ihrer

Zierlichen Figur zu passen schien. Wenn ich die beiden in Split besuchte, wohin sie inzwischen gezogen waren, zeigten sie mir oft in ihrer liebevoll sich erinnernden Art alte, vergilbte Bilder aus ihrer Vergangenheit. Sie waren beide stolz aufeinander, aber nie waren sie eingebildet oder überheblich. Sie waren einfach beide schön und erfolgreich gewesen. Normale Realität.

Wurde vor einigen Jahren plötzlich unterbrochen. Weinend stammelte meine Mutter am Telefon, dass Graziella nach einem heftigen Herzanfall im Krankenhaus liegen würde.Graziella hatte schon seit Jahren Herzprobleme und Viktor hatte sich äußerst liebevoll um sie gekümmert. Aber jetzt stand es schlimm um sie. Viktor und Noella waren in jeder Minute bei ihr. Nach einigen Tagen, Graziella dämmerte auf der Intensivstation vor sich hin, verließ mein Onkel das Krankenhaus, um sich ein wenig auszuruhen. Niedergeschlagen saß er auf den

Kalten, dreckigen Treppenstufen und versuchte dieses beklemmende Gefühl in der Brust, welches ihn seit einiger Zeit quälte, durch tiefes Durchatmen zu vertreiben.

Plötzlich fuhr ein scharfer, unerträglicher Schmerz durch seinen Körper und spaltete diesen Baum von einem Mann. Tot fiel er auf die kalte Steintreppe.

Der eilig herbeigerufene Arzt sagte meiner verzweifelten Kusine Noella später, dass der Herzinfarkt so heftig war, dass er drei Menschen hätte töten können.

Diese überaus große Liebe, die mein Onkel in seinem Herzen getragen hatte,konnte kein normaler, kleiner Herzinfarkt töten. Da brauchte es schon einen Donnerschlag, um ihn von seiner geliebten Graziella wegzureißen.

Viktor wurde begraben an der sonnigen Adria. Mit allen militärischen Ehren.

Noella war völlig verzweifelt. Wie sollte sie ihrer Mutter, die immer noch auf der Intensivstation lag, dieses Unglück beibringen?

Sie beschloss erst mal nichts zu sagen. Sei befürchtete, dass Graziella sonst einen neuerlichen

Schlaganfall bekommen und sofort sterben könnte. Beide Elternteile auf einmal zu verlieren, wäre für meine Kusine zu hart gewesen.Nach Absprache mit der restlichen Familie wurde beschlossen, Viktors unerwarteten, tragischen Tod vor Graziella zu verschweigen.

Ein paar Monate gingen ins Land.

Noella und der Rest der Familie begann sich langsam von ihrem Schock über Viktors plötzlichen Tod zu erholen.Graziella ging es besser. Sie wurde von der Intensiv auf die normale Krankenstation verlegt.

Sie war immer noch sehr schwach. Halbseitig gelähmt, konnte sie ihre rechte Hand und ihr rechtes Bein nicht bewegen. Auch mit dem Sprechen hatte sie große Probleme.Immer wieder fragte sie meine Kusine Noella, wo denn Viktor wäre.Zuerst, als sie noch gar nicht sprechen konnte, fragte sie mit den Augen.

Später fragte sie mit ihrer immer noch tiefen, schönen  

Stimme. Stammelnd konnte sie nur halbwegs Viktor hervorbringen. Aber gab es ein Wort, das wichtiger sein könnte?Noella verstand ihre Mutter,egal ob Graziella mit den Augen oder versagender Stimme fragte.

Sie wagte es immer noch nicht , zu beichten, dass Viktor gestorben war.Also erfand sie Ausreden. Sagte Viktor wäre krank geworden, später behauptete sie, er wäre verreist.Graziella fragte immer wieder. Unermüdlich. Jeden Tag. Mehrmals.Dann, nach einiger Zeit lallte sie kaum verständlich, dass Viktor sie verlassen hätte. Sicherlich.

Weil sie so krank wäre. Nicht mehr die strahlende Schönheit.Noella zerriss es fast das Herz, als sie ihre Mutter so verzweifelt sah.Trotzdem blieb sie bei ihrem Entschluß, nichts über Viktors wahren Grund wegen senes Verschwindens zu verraten. Besser eine verzweifelte Mutter als gar keine Mutter.Noella wartete noch einige Wochen. Graziella erholte sich zusehends und wurde kräftiger.

Am meisten freute sich Graziella, wenn ihr Noella das mit vielen grauen Strähnen durchzogene, immer noch schöne, schwarze Haar bürstete. Obwohl es nicht mehr so glänzte wie in ihrer Jugend, lag es doch weich und ausgebreitet zum Fächer auf dem weißen, geflickten Krankenhauskissen.

Falls Viktor zurückkäme, wollte Graziella für ihn schön sein. Irgendwann musste er doch von seinen Reisen heimkehren. Zu ihr. So hoffte und wartete Graziella mit ihrem gebürsteten Haar auf Viktor.

Bis die Ärzte eines Tages Noella aufforderten, ihrer Mutter zu sagen, dass Viktor tot war.

Noella fand keine Ausflüchte mehr. Sie hoffte sehr, dass Graziella die Wahrheit überstehen würde. Außerdem hatte Graziellas melancholisches Leiden und Warten auf den verschwundenen Viktor, Noellas Gemüt zermürbt.

Graziella würde bis in alle Ewigkeit warten, wenn sie ihr nicht die Wahrheit sagen würde.

Noella sagte ihrer Mutter, dass Viktor tot war. Dass er sie deshalb nicht mehr besucht hatte.

Graziella hörte still zu. Dicke Tränen liefen über ihr Gesicht.

Ihre letzten Worte waren:” Ich wusste, dass er gekommen wäre.Der Tod -das war der einzige Grund, der ihn davon abhalten konnte.”  

Einmal fragte ich meinen Onkel Viktor, weshalb er alles zurückgelassen hatte und zur See gefahren war. Er lachte mich mit seinen Grübchen an, zeigte in den unvergleichlich leuchtenden

Sternenhimmel über uns und sagte: Das Meer läßt dich nie mehr los, wenn es dich eingefangen hat. Es fließt in dich hinein. Verbindet sich mit dir. Läßt dich eine tiefe Lebendigkeit, Freude spüren, verbunden mit einer Kraft, die nicht von dir kommen kann, die dir eine höhere Macht geschenkt haben muss. So eine Verbundenheit habe ich nie wieder gespürt.   

Außer bei Graziella...            

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